Wie haben die Höhen des Himalaya neue kreative Ideen geweckt?

Meine Ansprüche an Komfort sind nicht hoch, ich würde sogar sagen: niedrig. Bei Rokas ist es genauso. Das beschert uns ganz besondere Erlebnisse. Statt in einem bequemen Bett mit Blick auf den Eiffelturm zu faulenzen, wählen wir anspruchsvolle Routen, auf denen es kaum Auswahl bei den Übernachtungsmöglichkeiten gibt, geschweige denn Komfort.

Wenn ich die beiden beeindruckendsten Orte nennen müsste, an denen wir je übernachtet haben, lägen beide ohne Zweifel in den Bergen. Der erste: Sarchu. Ganz eindeutig Sarchu.

Ich schlug Rokas vor, auf unserer Hochzeitsreise mit dem Motorrad durch den Himalaya zu fahren. Wie gesagt, so sind wir nun einmal: Eine Prise Adrenalin, eine Handvoll Herausforderungen und ein Haufen Missverständnisse lassen uns entspannen. Über die Manali-Leh-Straße wussten wir nichts, außer dass sie etwa vier Monate im Jahr geöffnet und sonst wegen des Schnees unpassierbar ist. Eine der gefährlichsten Straßen, voller Adrenalin, Herausforderungen und Missverständnisse. Eben der raue Himalaya: Man fährt durch herabstürzende Wasserfälle, findet sich zwischen Schneewänden wieder, fährt über klappernde Blechbrücken und sieht die höchsten Gipfel der Welt. Und wenn in der Ferne die Silhouette eines Busses auftaucht, begreift man erst, wie gewaltig diese Berge sind.




Alle paar Stunden sieht man völlig andere Landschaften, von Mondkratern bis zu Mars-Canyons. Unterwegs begegnet man Hirten mit Hunderten von Rindern und Yaks, die in der Bergwüste grasen.






Auf dieser Straße gibt es 365 km lang keine einzige Tankstelle. Der höchste Punkt, den man überquert, liegt auf 5328 m Höhe, und das Übernachten ist ein Erlebnis für sich. Wer sich Zeit nimmt und die Fahrt genießt, schafft diese interplanetare, vom Rest der Welt abgeschnittene Route in 3 Tagen. Übernachtet wird im Camp von Sarchu auf 4229 m Höhe: ohne Strom, ohne Wasserleitung, ohne Empfang. Es gibt genau zwei Gerichte - Maggie-Instantsuppe und "bread omlet". Man schläft in einem Zelt mit einem einzigen riesigen, aus Steinen aufgeschichteten Bett, das man sich mit einer vorübergehend dort lebenden Familie und einigen Arbeitern teilt.




Neugierig? Warum ist ausgerechnet diese Übernachtung die unvergesslichste meines Lebens? Weißt du, wie Augustnächte aussehen? Und wie sie aussehen, wenn du dem Himmel näher bist? Und wenn es ringsum keine Lichter gibt? Stell dir jetzt vor, dass es im Umkreis von 215 km kein Licht gibt. Du hörst nur den Wind. Und wenn du nach draußen gehst, siehst du Millionen von Sternen, die Milchstraße so hell wie nie und den Mond größer, als du ihn je gesehen hast.
Kann man nach solchen Eindrücken überhaupt anders, als kreativ zu werden?


Ring "Sarchu"


2 Kommentare


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